Wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele registrieren deutsche Wirtschaftskreise mit Erleichterung ein Abflauen der antichinesischen Tibet-Kampagne. Die Ressentiments, die im Frühjahr in Deutschland entfesselt worden seien, hätten die deutschen China-Geschäfte ernstlich gefährden können, heißt es in Unternehmensverbänden. Nun liegen erneut aktuelle Rekord-Ergebnisse vor, Einbrüche drohen allenfalls wegen Umweltschutzmaßnahmen der chinesischen Regierung. Während der frühere deutsche Kanzler Gerhard Schröder dafür plädiert, den deutschen Einfluss in der Volksrepublik durch die Einbindung Beijings auszuweiten, fordern transatlantische Kreise weiterhin eine stärkere Konfrontation. Hintergrund ist der rasante Aufstieg Chinas, dessen gewaltiges ökonomisches Potenzial bei ihnen Zweifel am Erfolg der Einbindungsstrategie weckt. Staatsfinanzierte Vorfeldorganisationen stützen dazu passend eine anhaltend antichinesische Stimmung in der Bevölkerung – unter Rückgriff auf die Tibet-Thematik. Auch die evangelische Kirche schließt sich dem an: Kirchenfunktionäre legen deutschen Sportlern nahe, Pressekonferenzen während der Olympiade zu medienwirksamen Bekenntnissen gegen die chinesische Politik zu nutzen.
[2] s. dazu Flexiblere Strategien und Jederzeit mobilisierbar
[3] Außenhandel der VR China weiter dynamisch; www.bfai.de 14.07.2008
[4] China bewegt; OAV-Report 6/2008
[5] Deutsche Firmen dürfen weiter produzieren; Süddeutsche Zeitung 16.07.2008
[6] Deutschland ist Chinas zweitgrößter Geldgeber; Frankfurter Allgemeine Zeitung 11.07.2008
[7] „Wir sollten dem Land Respekt zollen“; Die Zeit 17.07.2008
[8] s. dazu Jederzeit mobilisierbar
[9] EU-Parlamentspräsident in der Schusslinie; Der Westen 11.07.2008
[10], [11] Olympia-Protest: Mehr als 200.000 Armbänder bestellt; epd 16.07.2008
[12] s. dazu Seit 1881
