Putin tappt in die Falle
Verfasst von Marcus am August 14, 2008
Die von Amerikanern ausgerüstete und ausgebildete georgische Armee schwärmte vergangenen Donnerstag nach Südossetien ein, tötete ca. 2000 Zivilisten, vertrieb 40.000 Südosseten über die russische Grenze und zerstörte einen Großteil der Hauptstadt Tschinvali. Der Angriff wurde durch nichts provoziert und erfolgte volle 24 Stunden bevor auch nur ein einziger russischer Soldat seinen Fuß auf südossetisches Gebiet gesetzt hatte. Nichtsdestotrotz glaubt die Mehrheit der Amerikaner immer noch, dass zuerst die russische Armee auf georgisches Territorium vorgedrungen sei. BBC, AP, NPR, die New York Times und alle anderen Medien des Establishments haben ihre Leser kontinuierlich und absichtlich zu der Annahme verleitet, die Gewalt in Südossetien sei seitens des Kremls initiiert worden.
Halten wir eines fest: So war es nicht. Tatsächlich bestreitet NIEMAND die Fakten – bis auf jene Leute, die ihre Informationen aus der westlichen Presse beziehen. Obwohl sie mehr und mehr ihre Glaubwürdigkeit verlieren, fungieren die Konzernmedien weiterhin als Propaganda-Abteilung des Pentagon.
Der frühere russische Präsident Michail Gorbatschow hat die Ereignisse in seinem am Montag in der Washington Post veröffentlichten Kommentar gut zusammengefasst:
„Für einige Zeit herrschte in Südosstien relative Ruhe. Die aus Russen, Georgiern und Osseten zusammengesetzten Friedenstruppen erfüllten ihre Mission, und gewöhnliche Osseten und Georgier, die dicht nebeneinander wohnen, fanden ein gewisses Maß an gemeinsamer Grundlage … Was in der Nacht des 07. August geschah, entzieht sich dem Verständnis. Das georgische Militär griff die südossetische Hauptstadt Tschinvali mit Stalinorgeln an, die entwickelt wurden, um große Flächen in Schutt und Asche zu legen … Dieser Militärangriff gegen Unschuldige war eine rücksichtslose Entscheidung, deren tragische Konsequenzen für Tausende Menschen verschiedener Nationalitäten nun klar sind. Die georgische Führung konnte das nur mit der Unterstützung und Ermutigung einer sehr viel stärkeren Macht im Rücken tun. Die georgischen Streitkräfte wurden von Hunderten US-amerikanischer Ausbilder trainiert, und ihre moderne Ausrüstung wurde in diversen Ländern zusammengekauft. Diese Umstände und die versprochene NATO-Mitgliedschaft veranlasste die georgische Führung zu der Annahme, sie könnten sich eine „Blitzkrieg“ in Südossetien leisten … Russland musste reagieren. Russland eine Aggression gegen das „kleine, hilflose“ Georgien vorzuwerfen, ist nicht nur hypokritisch, sondern zeugt von menschenverachtend.“
(„A Path to Peace in the Caucasus“, Michail Gorbatschow, Washington Post)
Es stellt sich den Amerikanern nun die Frage, wem sie eher trauen wollen – Michail Gorbatschow oder den Konzernmedien?
Russland hat seine Panzer und Truppen in Südossetien eingesetzt, um das Leben von Zivilisten zu retten und den Frieden wiederherzustellen. Punktum. Es hat kein Interesse, die ehemalige Sowjetrepublik zu annektieren oder seine gegenwärtigen Grenzen sonst wie zu erweitern. Nachdem die georgische Armee nun vernichtend geschlagen wurde, haben der russische Präsident Medvedev und Premierminister Putin ihren Willen bekundet, die Angelegenheit auf dem üblichen diplomatischen Wege im Rahmen der Vereinten Nationen zu regeln. Dabei sind sie sich beide im Klaren darüber, dass Washington in die Feindseligkeiten verwickelt ist. Sie wissen, dass der georgische Präsident Michail Saakaschwili ein Handlanger der Amerikaner ist, der in Folge eines von der CIA geförderten Coups, der sogenannten “Rosenrevolution” an die Macht kam und niemals ohne explizite Anweisung seitens der Strippenzieher im Weißen Haus eine Militäraktion anordnen würde. Mit großer Wahrscheinlichkeit kamen die Befehle zum Einmarsch direkt aus dem Büro des amerikanischen Vizepräsidenten, Dick Cheney.
Die georgische Armee hatte nicht die geringste Chance, einen Krieg gegen Russland zu gewinnen, und keine Absicht, das überfallene Territorium zu okkupieren. Das eigentliche Ziel war, die russische Armee in eine Falle zu locken. Die US-Planer hoffen, auch diesmal so raffiniert erfolgreich zu sein wie damals in Afghanistan; sie wollen ihr russisches Opfer in ein langes, blutiges Fiasco á la Tschetschenien locken und so die russischen Truppen im Kampf gegen Guerillakräfte aufreiben, die vom US-Militär und Geheimdiensten ausgebildet und bewaffnet werden. Der Krieg wird unter dem Vorwand geführt werden, man müsse doch Georgien vom russischen Imperialismus befreien und Putin von der Umsetzung seines angeblichen Plans abhalten, die wichtigen, in westlichem Besitz befindlichen Pipelines um das Kaspische Becken unter seine Kontrolle zu bringen. Ein Großteil dieser von “Think Tanks” zurechtgezimmerten Darstellung ist bereits in den Mainstream-Medien zu finden oder wurde seitens der amerikanischen Politik-Elite verlautbart. Derweil lenken die Kämpfe im Kaukasus davon ab, dass eine riesige Armada von US-Kriegsschiffen auf den Weg zum Persischen Golf ist, um für die für die langerwartete Konfrontation mit dem Iran bereit zu sein.
Die Operation Brimstone, ein gemeinsames Marinemanöver von USA, Großbritannien und Frankreich im Atlantischen Ozean, mit dem die Seeblockade gegen den Iran eingeübt wurde, ging erst letzte Woche zu Ende. Dieses Manöver diente dazu, die Seeblockade gegen den Iran und seine wahrscheinliche Reaktion zu simulieren.
Dazu Earl of Stirling auf der Global Research-Website:
„Das Manöver beinhaltete einen Flugzeugträger-Krampfgruppe der US-Navy, eine “Expeditionary Carrier”-Kampfgruppe, [eine um ein amphibisches Angriffsschiff versammelte Kampfgruppe, d.Ü.] der US-Navy, eine Flugzeugträger-Kampfgruppe der Royal Navy, ein französisches Jagd-U-Boot mit Nuklearantrieb sowie eine große Anzahl Kreuzer, Zerstörer und Fregatten der US-Navy, welche die „feindliche Flotte (darstellten). Die Führung des Manövers oblag dem amerikanischen Schiff USS Theodore Roosevelt (CVN71) und seiner Flugzeugträger-Kampfgruppe 2 (CCSG-2), welche nun gemeinsam mit der von Japan kommenden USS Ronald Reagan (CVN76) und deren Flugzeugträger-Kampfgruppe 7 (CCSG-7) in Richtung Iran unterwegs sind.“
Stirling fügt hinzu: „Für Russland wurde eine strategische Ablenkung geschaffen. Die südossetische Hauptstadt wurde bombardiert und eine große georgische Panzerstreitmacht rückte in Richtung Grenze vor … Eintausend amerikanische Marines haben vor Kurzem erst das georgische Militär in Georgien ausgebildet … Russland hat erklärt, es würde nicht tatenlos zusehen, wie die Georgier Südossetien angreifen. Die Sache könnte übel ausgehen, und dabei handelt es sich lediglich um ein strategisches Ablenkmanöver … allerdings eines, das entsetzliche Auswirkungen haben könnte.“
(„Massive US Naval Armada Heads for Iran“, Earl of Stirling, Global Research)
Im Juni präsentierte der ehemalige außenpolitische Berater des US-Präsidenten Jimmy Carter, Zbigniew Brzezinski, die Grundzüge der Geschichte, die gegen Russland verwendet werden würde. Das war genau zwei Monate vor der georgischen Invasion in Südossetien. Der Artikel erschien auf der Website des Kavkazcenter. Brzezinski sagte, die Vereinigten Staaten hätten von „Fällen möglicher Bedrohungen seitens Russland erfahren, die sich gegen Georgien richteten und bei denen es darum ging, die Baku-Ceyhan-Pipeline unter russische Kontrolle zu bekommen“.
Brzezinski: „Russland tendiert dazu, die zentralasiatische Region von direktem Zugang zur Weltwirtschaft zu isolieren, insbesondere zur Energieversorgung … Wenn die georgische Regierung destabilisiert wird, bedeutet das weitere Einschränkung für den Zugriff des Westens auf Baku, das Kaspischen Meer und andere Orte.“
http://www.kavkazcenter.com/eng/content/2008/06/13/9798.shtml
Unsinn. Weder Putin noch der neugewählte Präsident Dmitry Medvedev haben solche Pläne. Es ist eine absurde Annahme, Russia würde sich nach zwei nutzlosen Kriegen in Tschetschenien und Afghanistan und nach den Jahren aufreibender Armut und sozialer Unruhe, die dem Zerfall der Sowjetunion folgten, nun in einen Energiekrieg mit der Nuklearmacht USA stürzen. Das wäre völliger Wahnsinn. Brzezinskis Spekulation gehört zu einer umfangreicheren Geschichte, die für die westlichen Medien ausgearbeitet wurde, um eine Rechtfertigung für die anstehenden Aggressionen gegen Russland zu haben. Brzezinski ist nicht nur Architekt der von den Mudshaheddin nageführten Kampagne gegen Russland im Afghanistan der 1980er, sondern auch Autor des Buchs Die Welt als Schachbrett – Amerikanische Vorherrschaft und ihre geostrategischen Notwendigkeiten, der operativen Theorie hinter dem Krieg gegen den Terror, welche die massive Intervention seitens der USA in Zentralasien beinhaltet, um die dortigen Ressourcen zu kontrollieren, Russland zu zerschlagen und den Produktionsgiganten China zu umzingeln.
Die Welt als Schachbrett ist die Neuauflage des “Großen Spiels“ für das 21. Jahrhundert. Das Buch beginnt mit dieser bedeutsamen Erklärung:
„Seit die Kontinente vor ungefähr fünfhundert Jahren politisch zu interagieren begannen, war Eurasien ein Zentrum der Weltmacht … Der Schlüssel zur Kontrolle Eurasiens, so Brzezinski, liegt in der Kontrolle der zentralasiatischen Republiken.“
Das ist Herz und Seele des Krieges gegen den Terror. Dem Expertengremium hinter dem “endlosen Konflikt” geht es im Grunde um Zentralasien. Es war die pro-israelische Fraktion in der Republikanischen Partei, die den Schalter umlegte und den Fokus auf den Mittleren Osten verlegte anstatt auf Eurasien. Nun haben sich die mächtigen Mitglieder des US-amerikanischen Außenpolitik-Establishments (Brzezinski, Albright, Holbrooke) hinter dem populistischen „Papp-“Präsidentschaftskandidaten Barak Obama neu aufgestellt und bereiten sich darauf vor, die amerikanischen Kriegsaktivitäten an asiatische Schauplätze zu verlegen. Obama bietet seinen Wählen die Wahl zwischen verschiedenen Kriegen, aber keine gegen Krieg.
Am Sonntag beschuldigte Brzezinski Russland imperialistischer Ambitionen und verglich in einem Interview mit Nathan Gardels Putin mit „Stalin und Hitler“.
Gardels: „Wie soll die Welt Russlands Einmarsch in Georgien verstehen?“
Zbigniew Brzezinski: „Es geht darum, welche Rolle Russland im neuen internationalen System (alias New World Order) spielen wird. Leider bringt Putin Russland auf einen Kurs, der unheilverheißend dem von Stalin und Hitler in den späten 1930ern ähnelt. Der schwedische Außenminister Carl Bildt hat richtigerweise Putins „Rechtfertigung“ für die Zergliederung Georgiens – nämlich die Russen auf georgischem Territorium – mit Hitlers Taktik hinsichtlich der damaligen Sudetendeutschen auf tschechoslowakischem Territorium verglichen. Noch unheimlicher ist die Ähnlichkeit von Putins Vorgehen in Bezug auf Georgia mit dem von Stalin in Bezug auf Finnland: Die Souveränität eines kleinen, demokratischen Nachbarlandes mit Gewalt zerrütten. Mit Hinblick auf den moralischen und strategischen Effekt, ist Georgia heute in der gleichen Situation wie damals Finnland.
(„Brzezinski: Russia’s invasion of Georgia is Reminiscent of Stalin’s attack on Finland“; Huffington Post)
Die internationale Gemeinschaft steht nun vor der Frage, wie man auf ein Russland reagieren soll, das zur Umsetzung größerer imperialistischer Bestrebungen rohe Gewalt anwendet: Die früheren Sowjetrepubliken sollen wieder unter die Kontrolle des Kremls gebracht werden und dem Westen soll der Zugang zum Kaspischen Meer und nach Zentralasien abgeschnitten werden, indem man die durch Georgien verlaufende Baku-Ceyhan-Pipeline unter seine Kontrolle bringt.
Kurz gesagt, es steht sehr viel auf dem Spiel. Es geht um den Zugang zu Öl, das eine immer knapper und teurer werdende Ressource ist. Es geht darum, wie sich eine Großmacht in unserer heutigen, gerade erst unabhängig gewordenen Welt aufführt. Ihr Verhalten sollte auf Entgegenkommen und Konsens beruhen, nicht auf brutaler Gewalt.
Wenn Georgien zergliedert wird, wird nicht nur der Westen vom Zugang zum Kaspischen Meer und nach Zentralasien abgeschnitten sein. Wir können logisch voraussehen, dass Putin, falls er auf keinen Widerstand trifft, dieselbe Taktik auf die Ukraine anwenden wird. Öffentliche Drohungen gegen die Ukraine hat er ja bereits geäußert.“
Brzezinski ist sehr stolz darauf, ein disziplinierter und vernünftiger Sprecher im Namen der Projekte des US-amerikanischen Imperialismus zu sein. Es passt gar nicht zu ihm, sich solcher hysterischen Rhetorik zu bedienen. Womöglich ist die Situation noch angespannter als wir wissen. Könnte es vielleicht sein, dass das Finanzsystem seiner Kernschmelz-Phase sehr viel näher ist als wir alle ahnen?
Es sollte aus Brzesinskis Kommentar klar geworden sein, dass die Georgiens Invasion in Südossetien keine zusammenhanglose Demonstration neokonservativen Imponiergehabes war, sondern Teil einer übergeordneten Strategie, Russland in einen endlosen Konflikt zu ziehen, der seine Ressourcen auslaugen, sein internationales Ansehen beschädigen und seinen Machtbestrebungen Einhalt gebieten, des weiteren die zerfaserte Allianz zwischen Europa und Amerika stärken und die Aufmerksamkeit von der größer angelegten Unternehmung im Persischen Golf ablenken soll. Es ist besonders beunruhigend, dass Brzezinski in diese Pläne involviert zu sein scheint. Brzezinski, Holbrooke und Albright bilden das “A-Team des Imperialismus”. Sie sind keine Neocon-Stümper in Schlüsselpositionen wie Feith und Rumsfeld, die sich schon selbst ein Bein stellen, wenn sie morgens aufstehen wollen. Das sind kaltblütige Macchiavelli-Imperialisten, die genau wissen, wie sie die Medien und die diplomatischen Kanäle füttern müssen, um ihre völkermörderischen Absichten unter einem Deckmantel von humanitärem Gesülze zu verstecken. Sie wissen, was sie tun, und sie sind gut darin. Das sind keine Deppen. Sie haben sich in das Obama-Lager gemischt und bereiten sich für ihren nächsten großen Anlauf als globale Unruhestifter vor. Das sollte jenen Wählern die Augen öffnen, die immer noch der Meinung sind, Obama stehe für „Veränderung, an die wir glauben können“.
Richard Holbrooke hatte am Dienstag bei der Lokal-Neokonservativen Margaret Warner einen Auftritt in der Jim Lerher News Hour. Wie es für Warners “unparteiische” Herangehensweise typisch ist, gehörten alle beide Interviewpartner zum ultra-konservativen Lager in rechtsgerichteten „Think-Tanks“: Richard Holbrooke vom Council on Foreign Relations und Dmiti Simes vom Nixon Center.
Laut Holbrooke haben „die Russen (die Kämpfe in Südossetien) absichtlich provoziert und zeitlich genau auf die Zeit der Olympiade gelegt. Dies ist ein lange geplanter Versuch seitens der Russen, Präsident Saakaschwili zu beseitigen.“
Richtig. Das ist bestimmt auch der Grund, warum Putin so geschockt war, als er (in Beijing) von der Sache erfuhr, und warum er so eilig zurück nach Moskau flog (nicht ohne Bush vorher noch ärgerlich mit dem Zeigefinger zu drohen!).
Holbrooke: „Und ich möchte betonen, dass ich kein Kriegstreiber bin. Ich will genauso wenig einen neuen Kalten Krieg wie Dimitri hier … Die Russen wollen sich ihre historische Hegemonie zurückbeschaffen, und dazu gehört die Ukraine. Und es ist kein Zufall, daß die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken dabei zuschauen und außerordentlich beunruhigt sind, während Putin immer weiter versucht, sich eine Art Hegemonialterritorium zu schaffen.“
Es ist nicht möglich, hier auf all die von Holbrooke geäußerten Verzerrungen, Halbwahrheiten und Lügen allein in diesem einen Absatz einzugehen. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass eine falsche Darstellung konstruiert wird, um Putin zu dämonisieren und künftige Feindseligkeiten gegen Russland zu rechtfertigen. Holbrookes Behauptungen sind nicht weniger erfunden wie die von Brzezinski, und doch tauchen diese Lügen bereits in den Mainstream-Medien auf. Die Hauptstoßrichtung für die Propaganda wurde bereits festgelegt: „Putin stellt eine Gefahr dar „,“Putin will das Sowjetimperium neu errichten“, „Putin ist ein Autokrat“. (Ganz im Gegensatz zu unseren “freiheitsliebenden” Alliierten in Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten, oder wie!?!) Die Wahrheit ist, dass Putin einfach froh ist, Russland wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen zu sehen, und dabei gerne in Ruhe gelassen werden möchte. Das aber ist unmöglich, solange die USA 24 Stunden täglich damit verbringen, andere Leute zu piesacken. Die Welt verdient eine Pause von diesen überaus lästigen USA.
Warum wird nun Putin seitens Brzezinski und seinen Unterstützern im Außenpolitik-Establishment dämonisiert und Russland mit „Ächtung, Isolation und Wirtschaftssanktionen“ bedroht? Welches Verbrechen hat Putin begangen?
Putins Probleme lassen sich zurückverfolgen zu einer Rede, die er vor fast zwei Jahren in München hielt, als er unmissverständlich erklärte, er lehne die Grundsätze der Bush-Doktrin und der globalen US-Hegemonie ab. Diese Rede kam einer russischen Unabhängigkeitserklärung gleich. Seitdem steht er für die westlichen Eliten, insbesondere für das Council on Foreign Relations und das American Enterprise Institute auf der Feindliste, zusammen mit Ahmadinedshad, Chavez, Castro, Morales, Mugabe und allen anderen, die es ablehnen, von der Washingtoner Mafia Befehle entgegenzunehmen.
Folgendes hat Putin damals in München gesagt:
„Was ist aber eine monopolare Welt? Wie dieser Begriff auch immer ausgeschmückt werden mag – im Endeffekt bedeutet er in der Praxis nur eines: Ein Zentrum der Macht, ein Zentrum der Kraft und ein Zentrum der Beschlussfassung.
Das ist die Welt eines Herrschers, eines Souveräns. Im Endeffekt ist das nicht nur für diejenigen verderblich, die sich im Rahmen dieses Systems befinden, sondern auch für den Souverän selbst, weil es ihn von innen zerstört. … Was noch wichtiger ist: Das Modell selbst funktioniert nicht, weil seine Grundlage nicht die moralische Basis der gegenwärtigen Zivilisation enthält und auch nicht enthalten kann.
(Übersetzung laut rian.ru)
Die einseitigen und des öfteren unlegitimen Handlungen haben kein einziges Problem gelöst. Mehr noch: Sie haben zu neuen menschlichen Tragödien und zu neuen Spannungsherden geführt. Urteilen Sie selbst: Die Kriege sowie die lokalen und regionalen Konflikte sind nicht weniger geworden. Herr Teltschik hat gerade das durchaus sanft erwähnt. Dabei sterben in diesen Konflikten nicht weniger, sondern sogar mehr Menschen als früher. Wesentlich mehr – wesentlich mehr!
Heute beobachten wir eine fast durch nichts gezügelte und übertriebene Anwendung von militärischer Gewalt in den internationalen Angelegenheiten. Einer Gewalt, die die Welt in die Tiefen einander ablösender Konflikte stößt. Als Folge reichen die Kräfte nicht für eine umfassende Lösung zumindest eines einzelnen davon. Auch ihre politische Lösung wird unmöglich.
Wir beobachten eine immer stärkere Vernachlässigung der grundlegenden Prinzipien des Völkerrechts. Mehr noch: Einzelne Normen, eigentlich schon beinahe das gesamte Rechtssystem eines einzelnen Staates, in erster Linie natürlich der Vereinigten Staaten, haben die nationalen Grenzen in allen Bereichen überschritten und werden sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik und in der humanitären Sphäre anderen Staaten aufgedrängt. Wem könnte das denn gefallen? Wem könnte das gefallen?
In den internationalen Angelegenheiten ist immer häufiger das Streben zu sehen, diese oder jene Fragen ausgehend von der sogenannten politischen Zweckmäßigkeit zu lösen, der die aktuelle politische Konjunktur zu Grunde liegt. Das ist natürlich äußerst gefährlich. Und das führt dazu, dass sich niemand mehr in Sicherheit fühlt. Ich möchte das betonen: Niemand fühlt sich mehr in Sicherheit! Weil sich niemand hinter der schützenden Mauer des Völkerrechts verbergen kann. Eine solche Politik katalysiert natürlich das Wettrüsten. …
Ich bin davon überzeugt, dass wir an einem Grenz-Zeitpunkt angelangt sind, an dem wir uns ernsthafte Gedanken über die gesamte Architektur der globalen Sicherheit machen müssen.”
Jedes dieser Worte Putins entsprach der Wahrheit. Deshalb wurde diese Rede in den westlichen Medien auch nicht abgedruckt.
“Einseitige und des öfteren unlegitime Handlungen”, die “fast durch nichts gezügelte und übertriebene Anwendung von militärischer Gewalt”, die “immer stärkere Vernachlässigung der grundlegenden Prinzipien des Völkerrechts ”, und vor allem: “Niemand fühlt sich mehr in Sicherheit!”
Putins Ansprüche sind alle unanfechtbar, deshalb steht er im Fadenkreuz der Neocons. Er stellt eine direkte Herausforderung für das – wie Brzezinski es nennt – „internationale System“ dar, welches nichts anderes ist als das Konzern- und Bankenkartell, das von der westlichen Oligarchie gewissenloser Geschäftemacher kontrolliert wird.
Südossetien war eine Falle, und Putin hat den Köder geschluckt. Allerdings ist der schlaue russische Ministerpräsident erheblich gescheiter als die gesamte gegenwärtige US-Regierung. Bush’s Plan wird garantiert nach hinten losgehen und das geopolitische Machtgefüge aus dem Gleichgewicht bringen. Vielleicht bekommt die Welt dann doch noch ihre Atempause von den USA.
Mike Whitney, 13.08.2008
http://www.informationclearinghouse.info/article20508.htm
Übersetzung: Berna Kühne-Spicer

Alex sagte
Danke, für die Wahrheit!